curriculum 4-06
Kunsttherapeutische*r Fachbegleiter*in für Psychotraumatologie – Level 2
Kunsttherapie in der Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen

Inhalt
Die gemalten Bilder von Menschen mit komplexen dissoziativen Störungen geben Auskunft über den momentanen Gesamtzustand ihres Innensystems und die Befindlichkeiten seiner Mitglieder. Sie stellen wichtige Mitteilungen dar, die verstanden werden können und mit denen adäquat gehandelt werden kann. Die bildnerischen Gestaltungen legen Zeugnis ab über die Existenz, die besonderen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Nöte bis dato abgespaltener Anteile und fördern so Kobewusstsein und Akzeptanz der Diagnose.
Mit bildnerischen Mitteln lassen sich zukunfts- und lösungsorientierte Systembilder entwickeln, die dem gesamten Innensystem Orientierung und Struktur bieten. Auf dieser Basis können kompetente Alltagsanteile gestärkt, verletzte Anteile angemessen versorgt und dysfunktionale Anteile verwandelt werden. So entsteht eine tragfähige Grundlage für innere Kommunikation, Kooperation und Integration. Es werden kunsttherapeutische Vorgehensweisen und Interventionen vorgestellt, erprobt und in Bezug auf das eigene Arbeitsfeld reflektiert, die sich in der Behandlung von Menschen mit komplexen dissoziativen Störungen seit vielen Jahren bewährt haben. Den traumatherapeutischen Hintergrund bilden Ideen, Konzepte und Vorgehensweisen aus der Ego-State-Therapie (Watkins & Watkins), dem Modell der Strukturellen Dissoziation (Steele, van der Hart, Niejenhuis), der "Arbeit auf der inneren Bühne" (Huber, Reddemann), sowie Erkenntnisse aus der Erforschung gemalter Bilder hoch dissoziativer Menschen (Cox & Cohen).
Die Arbeit mit teil- und vollabgespaltenen Persönlichkeitsanteilen setzt eine enge kunsttherapeutische Begleitung im Einzelsetting und / oder in kleinen Gruppen voraus.

Dieses Curriculum richtet sich an Teilnehmer*innen, die bereits das Curriculum "Kunsttherapeutische*r Fachbegleiter*in für Psychotraumatologie – Level 1" absolviert haben oder über eine vergleichbar umfangreiche traumatherapeutische Fortbildung (von mindestens 80 UE) verfügen und mit den Grundlagen der Behandlung von komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen vertraut sind.

Das Curriculum umfasst 3 Module (insgesamt 45 UE) mit folgendem Inhalt:

Theoretische Grundlagen:

  • Komplexe dissoziative Störungen: Diagnostische Grundlagen nach Dell
  • Grundlagen der traumatherapeutischen Behandlung von komplexen dissoziativen Störungen
  • Einfließende theoretische und methodische Modelle:
    • Das Modell der Strukturellen Dissoziation (Van der Hart, Nijenhuis, Steele)
    • Ego-State-Therapie (Watkins & Watkins, Peichl)
    • Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie PITT (Reddemannn)
    • Elemente aus der Prozessarbeit mit hoch dissoziativen Patient*innen (Huber)
    • Das Zehn-Kategorien-Modell (Cox und Cohen)
  • Literaturstudium

Praktische Übungen / kunsttherapeutische Interventionen mit folgenden Schwerpunkten:

  • Entwicklung lösungs- und zukunftsorientierter Systembilder
  • Schutz im Kontakt zwischen Innen- und Außenwelt
  • Entwicklung von Beziehungskompetenz im Kontakt mit Innen- und Außenwelt
  • Beruhigung innerer Kämpfe
  • Bildung eines inneren Teams zur Alltagsbewältigung
  • Versorgen verletzter innerer Anteile
  • Verwandlung und Integration dysfunktionaler, verletzender innerer Anteile
  • Innere Kommunikation und Kooperation
Modul 1 Innere Orientierung und Strukturierung 29.01.–30.01.2021
Modul 2 Kobewusstsein und innere Kommunikation 26.02.–27.02.2021
Modul 3 Innere Kooperation und Integration 26.03.–27.03.2021

Der Einsatz des Gelernten ist abhängig von den fachlichen und rechtlichen Möglichkeiten, die sich aus der Grundqualifikation und dem jeweiligen Arbeitsfeld der Teilnehmer*innen ergeben.
Die Teilnehmer*innen erhalten eine Teilnahmebescheinigung über jedes einzelne absolvierte Seminar. Für den Erwerb des Abschlusszertifikats über die Teilnahme am Curriculum "Kunsttherapeutische*r Fachbegleiter*in für Psychotraumatologie – Level 2" ist eine bereits absolvierte umfassende Fortbildung im Bereich Psychotraumatologie / Traumatherapie von mindestens 80 UE und die Teilnahme an allen drei Modulen Voraussetzung.
Die einzelnen Module sind inhaltlich in sich geschlossen und aufeinander aufbauend. Versäumte Seminare können, unabhängig von den jeweiligen persönlichen Gründen, nur kostenpflichtig nachgeholt werden. Um das Abschlusszertifikat über die Teilnahme am gesamten Curriculum zu erhalten, müssen versäumte Seminare innerhalb von zwei Jahren nachgeholt werden. Einzelne Module können nur nach persönlicher Rücksprache gebucht werden.

Empfohlene Literatur:
Lücke, S (2016), Kunstpsychotherapie in der Behandlung von Traumafolgestörungen in:
Reddemann, L (2016), Imagination als heilsame Kraft (Neuüberarbeitung)
Huber, M (2003) Wege der Traumabehandlung, Teil 2
Van der Hart, O, Nijenhuis, E, Steele, K (2008), Das verfolgte Selbst
Boon, S / Steele, K / Van der Hart, O (2013), Traumabedingte Dissoziation bewältigen

Beginn
29.01.2021

Umfang
3 Seminare (45 UE)

Gebühr
810 €
(270 € pro Seminar, incl. Material)



Leitung
Susanne Lücke
Wissenschaftliche Begleitung und Gastdozentin:
Dr. med. Agnes Balten

Veranstaltungsort
bik Susanne Lücke
Huchzermeierstraße 10, 33611 Bielefeld

Seminarzeiten
Fr 15:00–19:00, Sa 9:30–18:00
b i k - Bielefelder Institut für Kunsttherapie